Warum wir in unseren Tauchanzug pinkeln

Warum wir beim Tauchen in unseren Nasstauchanzug pinkeln?

Weil Dehydration das Risiko einer Dekompressionskrankheit erhöhen kann ist es wichtig, dass Taucher die Wissenschaft, die hinter dem Drang zu pinkeln steht, vollständig verstehen.

Warum wir in unseren Tauchanzug pinkeln

Warum pinkeln wir in unseren Taucheranzug?

Es wird wirklich Zeit, dass wir ganz offen und ehrlich über ein Thema sprechen, dass von vielen als eklig angesehen wird und trotzdem stillschweigend von der Masse hingenommen wird. Mir wurde einmal erklärt, es gäbe zwei Arten von Taucher. Die einen pinkeln in den Anzug und die anderen lügen.

Seien wir ehrlich: Die meisten von uns haben diese „Todsünde“ bereits begangen, auch wenn wir sagen wir haben es nicht. Entweder wir verbringen die Hälfte unseres Tauchgangs mit dem unnachgiebigen Drang aufzusteigen, uns wie wild aus unserer Neoprenhaut zu schälen und auf die Toilette zu rennen oder… wir lassen es einfach laufen.

Diese zugegeben etwas unangenehme Erfahrung kann Menschen davon überzeugen, dass sie ein ernsthaftes Problem mit der Blase haben oder sie zumindest davon abhalten genügend Wasser vor einem Tauchgang zu trinken. Im Gegenzug kann Austrocknung das Risiko einer Dekompressionserkrankung erhöhen. Deswegen ist es wichtig den Hintergrund zu verstehen, warum beim Tauchen dieser Drang zu pinkeln kommt.

Taucherdiurese bedeutet wörtlich: „Wasserverlust durch Untertauchen“. Es wird vermutet, dass zwei Hauptmechnismen hinter dem Prozess stehen. Niedrige Temperatur und steigender Wasserdruck.

Wasser ist ein ausgezeichneter Wärmeleiter, daher auch die Notwendigkeit auch in tropischen Meeren einen Taucheranzug zu benutzen um den Körper warm zu halten. Niedrige Temperatur stimuliert die peripheren Blutgefäße zu verengen. So wie man es an kalten Tagen an Händen und Füßen spürt. Dieser Überlebensmechanismus verringert die verfügbare Oberfläche für weiteren Wärmeverlust und verschiebt Blut in den Körperkern, um wichtigere Organe, wie das Herz, Nieren und Gehirn durchblutet zu lassen.

Von unserem ersten Tauchkurs werden wir uns alle erinnern, dass der Druck mit der Tiefe zunimmt. Vielleicht hat auch jemand mal bemerkt, wie der Bleigurt plötzlich etwas lockerer wird, je tiefer wir abtauchen. Dies ist der Effekt des Wasserdrucks der uns aus allen Richtungen komprimiert. Auf die gleiche Weise komprimiert dieser Druck auch die Venen in den Armen und Beinen. Venen haben eine relativ dünne Muskelwand, verglichen mit Arterien. Deswegen können diese leicht kollabieren. Wenn sie kollabieren, wird das Blut das sie transportieren in den Körperkern geschoben.

Beide Mechanismen führen zu einer Umverteilung von Blut, von den Peripherien bis zu den größeren Venen in der Brust. Somit wird mehr Blut in das Herz abgegeben und zwar in das rechte Atrium, welches die Aufnahmekammer für Blut im Herzen ist. Mit mehr aufgenommenem Blut erstreckt sich die Muskelwand. Barorezeptoren (Druckrezeptoren) erkennen diese Erhöhung des Blutdrucks, was wiederum die Freisetzung von Atrialen Natriuretischen Peptiden (ANP) auslöst.

Einer der Effekte dieser leistungsstarken Gefäßerweiterung ist Wasserverlust. Es hat sich gezeigt, dass die Auswirkungen dieser Freisetzung auch noch 12 Stunden nach dem Tauchen gefühlt werden kann.

Wenn mehr Blut das Herz versorgt folgt daraus, dass ein größeres Blutvolumen auch zu den anderen Organen transportiert wird. Insbesondere auch zu den Nieren, die den Urin erzeugen. Wenn mehr Blut durch die Nieren strömt, wird auch mehr Urin produziert.

Die Feinheiten dieser Mechanismen sind recht kompliziert und es gibt noch viel Arbeit im Bereich Tauchmedizin und Forschung. Aber hier sollte nur die Grundlage erklärt werden und keine wissenschaftliche Abhandlung entstehen. Daraus resultiert der wichtigste Punkt: „Tauchen dehydriert!“.

Alles oben genannte, soll uns daran erinnern, uns gut hydriert zu halten wenn wir tauchen und der Drang zu pinkeln sollte uns nicht daran hindern viel Wasser zu trinken. Wenn also beim nächsten Tauchgang der Drang wieder spürbar wird (und er wird), dann hast Du meine Erlaubnis es laufen zu lassen. 😉

Allzeit Gute Luft
Dein Tauchlehrer Frank